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Zwei Balken vor ihrem Zielgewicht: Der Überschuss des einen, in Rot, wandert zum anderen, der zurückgeblieben ist.

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Portfolio-Rebalancing: wann und wie, auch ohne Verkauf

Rebalancing heißt, Ihr Portfolio auf die Gewichte zurückzubringen, die Sie gewählt haben, etwa 60 % Aktien und 40 % Anleihen, wenn der Markt sie verschoben hat. Die Forschung von Vanguard spricht dafür, ein- bis zweimal im Jahr nachzusehen und nur zu handeln, wenn sich etwas um 5 Punkte oder mehr entfernt hat. Oft reicht es, neue Einzahlungen gezielt zu lenken, ganz ohne Verkauf.

11 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

  • Rebalancing hält das Risiko, das Sie gewählt haben, es soll nicht mehr Rendite bringen: Es stellt die Aufteilung wieder her, wenn ein Teil stärker gewachsen ist als der andere.
  • Laut Vanguard sind ein bis zwei Überprüfungen im Jahr und ein Rebalancing nur dann, wenn eine Anlage 5 Punkte oder mehr von ihrem Zielgewicht abweicht, ein guter Kompromiss zwischen Risikokontrolle und Kosten.
  • Am günstigsten rebalancieren Sie mit neuem Geld: Jede Einzahlung fließt in das, was unter seinem Gewicht liegt, und Sie verkaufen nichts.
  • In Deutschland wird jeder Verkauf mit Gewinn oberhalb des Sparerpauschbetrags besteuert, auch ein Fondswechsel; einen steuerfreien Fondswechsel gibt es nur in Spanien.

Was Rebalancing ist und warum Ihr Portfolio von selbst abweicht

Wenn Sie ein Portfolio aufbauen, legen Sie fest, wie viel wohin fließt: so viel in Aktien, so viel in Anleihen, so viel in Liquidität. Diese Aufteilung ist Ihr Zielportfolio und spiegelt das Risiko, das Sie tragen wollen. Nur hält sich der Markt nicht daran: Jeder Teil steigt oder fällt in seinem eigenen Tempo, und nach einer Weile stimmen die Gewichte nicht mehr mit Ihrer Wahl überein.

Ein Beispiel. Sie starten mit 10.000 €: 6.000 € in einem Aktienfonds und 4.000 € in einem Rentenfonds, also 60/40. Ein Jahr später sind die Aktien um 40 % gestiegen, die Anleihen stehen unverändert. Jetzt haben Sie 8.400 € in Aktien und 4.000 € in Anleihen, insgesamt 12.400 €, und die Aktien machen 67,7 % aus. Niemand hat beschlossen, das Risiko zu erhöhen, aber es ist gestiegen.

Das merken Sie, wenn die Kurse fallen. Fallen die Aktien danach um 30 %, verliert das Portfolio mit 60 % Aktien 18 %, mit 67,7 % aber 20,3 %. In der Vanguard-Studie zum Rebalancing kam ein 60/40-Portfolio, das von 1926 bis 2009 nie rebalanciert wurde, im Schnitt auf 84,1 % Aktien. Es brachte 9,1 % pro Jahr gegenüber 8,6 % bei jährlichem Rebalancing, aber mit einer Volatilität von 14,4 % statt 11,9 %: deutlich mehr Risiko, als sein Besitzer gewählt hatte.

Rebalancing korrigiert diese Drift: einen Teil dessen verkaufen, was zu stark gewachsen ist, nachkaufen, was zurückgeblieben ist, oder beides, bis die ursprüngliche Aufteilung wieder stimmt. Es ist kein Weg zu mehr Rendite. In einem langen Aufwärtsmarkt bringt Rebalancing meist etwas weniger, als alles laufen zu lassen, weil Sie verkaufen, was am stärksten steigt. Was Sie dafür bekommen, ist das Risiko, für das Sie sich entschieden haben.

Wann und wie oft rebalancieren: Kalender oder Bandbreiten

Es gibt zwei Arten, über den Zeitpunkt zu entscheiden. Nach Kalender: Sie wählen einen Termin (einmal im Jahr, alle sechs Monate) und stellen an diesem Tag die Gewichte wieder her, egal wie stark sie sich verschoben haben. Nach Bandbreiten oder Schwellen: Sie legen einen Spielraum um jedes Gewicht fest und handeln nur, wenn etwas ihn verlässt, wann auch immer das passiert. Viele Anleger kombinieren beides: Sie schauen an einem festen Termin auf das Portfolio und handeln nur, wenn etwas außerhalb seiner Bandbreite liegt.

Vanguard hat diese Regeln in „Best practices for portfolio rebalancing“ (Jaconetti, Kinniry und Zilbering, 2010, aktualisiert 2015) mit Daten von 1926 bis 2009 untersucht. Das Ergebnis: Es gibt weder eine optimale Häufigkeit noch eine optimale Schwelle, und für die meisten Anleger ist eine Überprüfung ein- bis zweimal im Jahr mit Rebalancing ab 5 Punkten Abweichung ein vernünftiger Ausgleich zwischen Risikokontrolle und Kosten. Monatliches Rebalancing senkte das Risiko nicht weiter: Im 60/40-Portfolio bedeutete es 1.008 Umschichtungen in 84 Jahren, gegenüber 83 bei jährlichem Rebalancing und 28 bei jährlicher Prüfung mit 5-Punkte-Schwelle, bei ähnlicher Volatilität (12,1 %, 11,9 % und 11,8 %).

Eine spätere Vanguard-Studie, „Rational rebalancing“ (2022), kommt zu einem ähnlichen Schluss: Am besten rebalanciert man weder zu oft, etwa monatlich oder vierteljährlich, noch zu selten, etwa nur alle zwei Jahre.

Eine beliebte Variante der Bandbreiten ist die 5/25-Regel, die der Autor Larry Swedroe bekannt gemacht hat: Sie rebalancieren, wenn eine Anlage 5 Punkte von ihrem Zielgewicht abweicht oder um 25 % dieses Gewichts, je nachdem, was zuerst eintritt. Bei einem Gewicht von 60 % reicht die Bandbreite von 55 % bis 65 % (25 % von 60 wären 15 Punkte, mehr als 5). Bei einem Gewicht von 10 % reicht sie von 7,5 % bis 12,5 %, denn 25 % von 10 sind 2,5 Punkte. So bekommen auch kleine Positionen einen angemessenen Spielraum.

Im Beispiel liegen die Aktien bei 67,7 %, außerhalb der Bandbreite von 55 bis 65 %: Zeit zum Rebalancieren. Lägen sie bei 63 %, würden Sie nach dieser Regel nichts tun. Wichtig ist, die Regel mit kühlem Kopf zu wählen und aufzuschreiben, damit Sie nicht mitten in einem Crash oder einer Euphorie entscheiden.

Rebalancing ohne Verkauf: mit Ihren Einzahlungen

Wenn Sie monatlich oder jährlich Geld einzahlen, etwa mit einem Sparplan, haben Sie die günstigste Art zu rebalancieren: Statt jede Einzahlung nach Ihren Gewichten aufzuteilen, stecken Sie sie ganz in das, was unter seinem Ziel liegt. Sie verkaufen nichts, zahlen also weder Verkaufsgebühren noch Steuern, und das Portfolio kehrt nach und nach an seinen Platz zurück. Vanguard empfiehlt das ausdrücklich: Einzahlungen, Entnahmen, Dividenden und Zinsen zum Rebalancing zu nutzen, hilft bei der Risikokontrolle und senkt die Kosten.

Im Beispiel: Zahlen Sie 1.000 € ein und stecken alles in Anleihen, haben Sie 8.400 € in Aktien und 5.000 € in Anleihen. Der Aktienanteil sinkt von 67,7 % auf 62,7 % und liegt wieder in der Bandbreite. Um ohne Verkauf genau auf 60/40 zurückzukommen, müssten Sie 1.600 € einzahlen, denn 8.400 € müssen 60 % von 14.000 € sein.

Umgekehrt gilt dasselbe. Wenn Sie Geld entnehmen, nehmen Sie es aus dem, was zu stark gewachsen ist. Und Dividenden oder Zinsen, die Sie erhalten, können Sie in den Teil stecken, der zurückgeblieben ist.

Die Grenze ist die Größenordnung: Ist die Abweichung im Vergleich zu Ihren Einzahlungen groß, kann es viele Monate dauern, sie nur damit zu korrigieren. Dann können Sie beides kombinieren: in das einzahlen, was fehlt, und nur das Nötigste verkaufen. Der Rechner zeigt Ihnen die genauen Beträge für beide Wege.

Ausprobieren
Rebalancing-RechnerTragen Sie ein, was jede Position heute wert ist und welches Gewicht sie haben soll. Voreingestellt ist das Beispiel aus dem Artikel: ein 60/40-Portfolio, dessen Aktien um 40 % gestiegen sind.
Aktuelles Gewicht 67,7% · Abweichung +7,7 Pp.Nichts tun · danach 62,7%
Aktuelles Gewicht 32,3% · Abweichung -7,7 Pp.1.000 € kaufen · danach 37,3%
Wie möchten Sie rebalancieren?
Gesamtabweichung jetzt7,7 Pp.
Nach dem Handeln2,7 Pp.
Sie investieren 1.000 €, ohne etwas zu verkaufen, und die Gesamtabweichung sinkt von 7,7 Pp. auf 2,7 Pp.. Um ohne Verkauf ganz auf Ihre Ziele zurückzukommen, müssten Sie 1.600 € einzahlen.Beträge auf ganze Euro gerundet. Ohne Gebühren und Steuern.

Steuern und Kosten: was Rebalancing kostet

Dies gilt für Anleger mit Wohnsitz in Deutschland. Verkaufen Sie Aktien, ETF oder Fonds mit Gewinn, fällt auf den Gewinn die Abgeltungsteuer von 25 % an, plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls zuzüglich Kirchensteuer. Steuerfrei bleiben Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung), und bei Aktienfonds und Aktien-ETF sind 30 % des Gewinns durch die Teilfreistellung steuerfrei. Im Beispiel bringt der Verkauf von 960 € Aktienfonds, die Sie rund 686 € gekostet haben, etwa 274 € Gewinn: innerhalb des Freibetrags steuerfrei, darüber rund 51 € Steuer.

Einen steuerfreien Fondswechsel gibt es für Privatanleger in Deutschland nicht: Auch wer von einem Fonds in einen anderen umschichtet, verkauft und versteuert den Gewinn. Deshalb lohnt es sich hier besonders, mit Einzahlungen zu rebalancieren. In Spanien ist das anders: Dort können in Spanien steuerpflichtige Anleger Geld von einem Investmentfonds in einen anderen übertragen („traspaso“), ohne dass Steuern anfallen, bis sie das Geld tatsächlich abziehen. ETF sind davon seit 2022 ausgenommen.

Hinzu kommen die Kosten jeder Transaktion: die Ordergebühr des Brokers oder der Bank, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs und bei manchen Fonds ein Ausgabeaufschlag oder Rücknahmeabschlag. Deshalb ist Rebalancing mit Bandbreiten und Einzahlungen meist günstiger als ein monatliches nach Kalender: Sie handeln seltener und nur, wenn es nötig ist.

So funktioniert der steuerfreie Fondswechsel in Spanien

So geht es in MyPortfolio

  1. Ordnen Sie Ihre Positionen Zonen zu

    Im Tab „Plan“ Ihres Portfolios weisen Sie jeder Position eine Zone zu: den vordefinierten (Kern, Satelliten, Spielgeld und Liquidität) oder eigenen, zum Beispiel „Aktien“ und „Anleihen“. Das Bargeld des Portfolios zählt zur Liquidität.

  2. Erstellen Sie Ihren Plan mit den Zielgewichten

    Geben Sie das Zielgewicht jeder Zone ein (zusammen 100 %) und Ihre Abweichungsschwelle in Punkten, zum Beispiel 5. Wenn Sie Ihren Anlagehorizont und den maximalen Rückgang ergänzen, den Sie aushalten, wird aus dem „Basisplan“ ein „Operativ“-Plan.

  3. Sehen Sie, wie weit Sie abweichen

    Für jede Zone sehen Sie das Zielgewicht, das tatsächliche Gewicht, die Abweichung in Punkten und wie viel Geld darüber oder darunter liegt. Die Gesamtabweichung zeigt, welcher Teil des Portfolios bewegt werden müsste: grün innerhalb Ihrer Schwelle, gelb bis zum Doppelten und rot darüber.

  4. Handeln Sie bei Ihrem Broker und erfassen Sie es

    MyPortfolio gibt keine Kauf- oder Verkaufsaufträge. Sie zahlen ein oder verkaufen dort, wo Ihr Geld liegt, erfassen die Transaktion oder importieren Ihren Depotauszug, und die Abweichung wird neu berechnet.

  5. Achten Sie auf die wöchentliche E-Mail

    Die wöchentliche E-Mail zu Ihrem Portfolio sagt Ihnen, ob Sie noch innerhalb Ihrer Toleranz sind oder welche Zone am stärksten abweicht, damit Sie nicht selbst daran denken müssen.

Legen Sie Ihre Zielgewichte fest und sehen Sie, wie weit Sie abweichenTeilen Sie Ihr Portfolio in Zonen ein, geben Sie ihnen ein Zielgewicht und eine Toleranz, und sehen Sie, wie weit jede abweicht, in Punkten und in Euro. Ihre wöchentliche E-Mail sagt Ihnen, ob Sie noch im Rahmen sind.

Was Sie mitnehmen können

Rebalancing heißt, das Risiko zu halten, das Sie gewählt haben. Legen Sie Ihre Gewichte fest, entscheiden Sie sich für eine einfache Regel (eine Überprüfung im Jahr und 5-Punkte-Bandbreiten oder die 5/25-Regel), korrigieren Sie zuerst mit Einzahlungen und verkaufen Sie nur, wenn es nötig ist. Da in Deutschland jeder Verkauf mit Gewinn über dem Freibetrag Steuern kostet, ist der Sparplan Ihr bestes Werkzeug.

Welche Gewichte zu Ihnen passen, hängt von Ihrem Anlagehorizont ab und davon, wie viel Rückgang Sie aushalten, ohne den Plan aufzugeben, und das entscheidet kein Rechner. Was Sie aber tun können: aufhören, nach Augenmaß zu schätzen. Mit Ihren Zielgewichten in MyPortfolio wissen Sie jederzeit, wie weit Sie abweichen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man ein Portfolio rebalancieren?

Eine optimale Häufigkeit gibt es nicht. Vanguard kommt zu dem Schluss, dass ein bis zwei Überprüfungen im Jahr und Rebalancing nur bei einer Abweichung von 5 Punkten oder mehr vom Zielgewicht Risiko und Kosten gut ausbalancieren; monatliches Rebalancing senkt das Risiko nicht weiter, vervielfacht aber die Transaktionen.

Was ist die 5/25-Regel beim Rebalancing?

Eine Bandbreitenregel: Sie rebalancieren, wenn eine Anlage 5 Punkte von ihrem Zielgewicht abweicht oder um 25 % dieses Gewichts, je nachdem, was zuerst eintritt. Bei 60 % Zielgewicht reicht die Bandbreite von 55 % bis 65 %, bei 10 % von 7,5 % bis 12,5 %.

Kann man ohne Verkauf rebalancieren?

Ja: indem Sie jede neue Einzahlung, etwa aus dem Sparplan, in das lenken, was unter seinem Zielgewicht liegt, und Entnahmen aus dem nehmen, was darüber liegt. Sie zahlen weder Steuern noch Verkaufsgebühren, bei großer Abweichung dauert es aber länger.

Muss man beim Rebalancing Steuern zahlen?

In Deutschland ja, wenn Sie mit Gewinn verkaufen: Oberhalb des Sparerpauschbetrags von 1.000 € fallen 26,375 % Abgeltungsteuer mit Soli an, bei Aktienfonds auf 70 % des Gewinns. Auch ein Wechsel von einem Fonds in einen anderen ist ein steuerpflichtiger Verkauf.

Verbessert Rebalancing die Rendite?

Nicht unbedingt. Ziel ist, das gewählte Risiko zu halten; in langen Aufwärtsmärkten bringt ein nicht rebalanciertes Portfolio meist etwas mehr, aber mit mehr Aktien und mehr Schwankung als geplant.

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