Rendite · 6 von 6
Dividenden: Rendite, Yield on Cost und was Sie erhalten
Die Dividendenrendite ist die jährliche Dividende einer Aktie geteilt durch ihren heutigen Kurs; der Yield on Cost teilt dieselbe Dividende durch Ihren Kaufpreis. Um zu wissen, was Sie dieses Jahr bekommen, multiplizieren Sie die Dividende jeder Position mit Ihren Stücken, ziehen die Steuern ab und trennen Angekündigtes von Geschätztem.
12 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
- Dividendenrendite = Jahresdividende je Aktie ÷ aktueller Kurs; Yield on Cost = Jahresdividende je Aktie ÷ Ihr durchschnittlicher Kaufkurs.
- In Deutschland kostet eine Dividende über dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, und ausländische Quellensteuer wird meist bis 15 % angerechnet.
- Eine hohe Dividende macht noch keine gute Anlage: Der Kurs fällt bei der Ausschüttung, und entscheidend ist die Gesamtrendite inklusive Dividenden.
- Für 2.000 € netto im Monat brauchen Sie in Deutschland bei 3,5 % Dividendenrendite rund 921.000 € angelegt, und die Dividende kann gekürzt werden.
Was die Dividendenrendite ist und wie man sie berechnet
Die Dividendenrendite beantwortet eine einfache Frage: Wenn ich heute kaufe, wie viel Bargeld zahlt mir das Unternehmen jedes Jahr pro investiertem Euro aus? Man teilt die Dividenden je Aktie eines Jahres durch den aktuellen Aktienkurs.
Ein Beispiel: Eine Aktie notiert bei 40 € und hat in den letzten zwölf Monaten 1,60 € je Aktie gezahlt. Ihre Dividendenrendite beträgt 1,60 ÷ 40 = 4 %. Fällt der Kurs morgen auf 32 € und die Dividende bleibt gleich, steigt die Rendite auf 5 %, obwohl das Unternehmen keinen Cent mehr zahlt.
Es gibt zwei Varianten. Die historische Rendite addiert, was in den letzten zwölf Monaten gezahlt wurde; die erwartete nutzt, was für die nächsten zwölf erwartet wird. Zahlt das Unternehmen quartalsweise, addieren Sie die vier Zahlungen: Eine einzelne Quartalsdividende mal vier liegt daneben, sobald es eine Sonderdividende oder eine Erhöhung im Jahresverlauf gibt.
Was Yield on Cost bedeutet (und warum er zum Vergleichen nicht taugt)
Der Yield on Cost, die Rendite auf den Einstandspreis, nutzt dieselbe Formel, aber mit Ihrem durchschnittlichen Kaufkurs statt dem heutigen Kurs: Jahresdividende je Aktie ÷ das, was Sie je Aktie bezahlt haben. Er zeigt, wie viel Ihnen das damals angelegte Geld heute einbringt.
Erhöht ein Unternehmen seine Dividende Jahr für Jahr, wächst Ihr Yield on Cost, ohne dass Sie etwas tun. Im Beispiel der Tabelle haben Sie zu 20 € gekauft, als es 0,80 € zahlte (4 %). Zehn Jahre später zahlt es 1,60 € und notiert bei 40 €: Wer heute kauft, bekommt 4 %, Sie bekommen 8 % auf Ihren Kaufpreis.
Eine motivierende Zahl, aber keine Entscheidungsgrundlage. Die 8 % bedeuten nicht, dass die Aktie mehr abwirft als eine andere: Würden Sie heute verkaufen, bekämen Sie 40 € je Aktie und könnten sie in etwas mit 4 % oder mehr anlegen. Zum Vergleichen von Anlagen nehmen Sie die aktuelle Dividendenrendite und, besser noch, die Gesamtrendite.
| Kennzahl | Beim Kauf | Zehn Jahre später |
|---|---|---|
| Aktienkurs | 20 € | 40 € |
| Jahresdividende je Aktie | 0,80 € | 1,60 € |
| Dividendenrendite (auf den heutigen Kurs) | 4 % | 4 % |
| Yield on Cost (auf Ihren Kaufkurs) | 4 % | 8 % |
Brutto und netto: wie viel Steuern von der Dividende abgehen
Dieser Abschnitt beschreibt die Regeln für Anleger mit Wohnsitz in Deutschland (Stand Oktober 2026); in anderen Ländern gelten andere. Dividenden unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, bei Kirchenmitgliedern zusätzlich Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € im Jahr (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bleibt steuerfrei, wenn Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. Eine deutsche Bank führt die Steuer direkt ab.
Bei ausländischen Aktien wird zweimal angesetzt. Ein US-Unternehmen behält 15 % Quellensteuer ein, wenn Sie bei Ihrem Broker das Formular W-8BEN abgegeben haben: Von 1.000 € Dividende bleiben 850 €. In Deutschland wird die Dividende brutto besteuert, aber die einbehaltenen 15 % werden auf die Abgeltungsteuer angerechnet, sodass hier nur noch die Differenz anfällt. Unterm Strich zahlen Sie ungefähr so viel wie bei einer deutschen Aktie.
Angerechnet wird höchstens der Satz aus dem Doppelbesteuerungsabkommen, meist 15 %. Was darüber liegt, holen Sie nur im Quellenland zurück. Das klassische Beispiel ist die Schweiz: Sie behält 35 % ein, in Deutschland werden 15 % angerechnet, und die übrigen 20 % müssen Sie bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung zurückfordern. Das geht, dauert aber.
Die genauen Regeln stehen im Einkommensteuergesetz und in den Schreiben des Bundesfinanzministeriums; bei Sonderfällen hilft eine Steuerberatung.
Thesaurierend oder ausschüttend: Was passt zu Ihnen?
Ein ausschüttender Fonds oder ETF zahlt Ihnen die Dividenden seiner Aktien bar aus; ein thesaurierender legt sie im Fonds wieder an und zahlt nichts aus, sein Anteilspreis steigt stattdessen. Die Aktien im Fonds sind dieselben; anders ist, wann und wie Steuern anfallen.
In Deutschland ist der Unterschied kleiner als anderswo. Ausschüttungen werden im Jahr der Zahlung besteuert. Thesaurierende Fonds werden über die Vorabpauschale ebenfalls jährlich besteuert, allerdings nur auf einen Mindestertrag: Fondswert zu Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses, der für 2026 bei 3,20 % liegt. Bei Aktienfonds bleiben in beiden Fällen 30 % steuerfrei (Teilfreistellung).
Wer Vermögen aufbaut und die Erträge nicht braucht, fährt mit Thesaurierern oft etwas günstiger, weil ein Teil der Steuer bis zum Verkauf aufgeschoben wird. Ausschütter sind sinnvoll, wenn Sie das Geld jedes Jahr ausgeben möchten. Beim Zählen Ihrer Dividenden gilt: Ein thesaurierender Fonds taucht nie als Zahler auf, obwohl seine Unternehmen zahlen.
So berechnen Sie, wie viel Dividende Sie dieses Jahr bekommen
Für ein echtes Depot reicht eine Formel nicht: Jedes Unternehmen zahlt zu anderen Terminen, in seiner Währung und mit seiner Quellensteuer. Das sind die Schritte.
Genau das macht der Reiter „Dividenden“ jedes Portfolios in MyPortfolio mit Ihren Positionen: was Sie dieses Jahr erhalten haben, was in den nächsten 12 Monaten Monat für Monat kommt (Angekündigtes getrennt von dem, was anhand der Vorjahreszahlungen geschätzt wird) und Ihre Dividendenrendite auf den heutigen Kurs und auf Ihren Kaufpreis. Die Beträge sind brutto, solange Sie nicht die Steuer eintragen, die Ihr Broker bei einem Unternehmen abzieht; dann rechnet MyPortfolio für die folgenden Zahlungen damit.
Positionen und Stückzahl auflisten
Notieren Sie, wie viele Aktien oder Fondsanteile Sie von jedem Wert halten. Thesaurierende Fonds lassen Sie weg: Sie zahlen Ihnen nichts aus.
Dividende je Aktie heraussuchen
Nehmen Sie, was das Unternehmen schon angekündigt hat, und für den Rest des Jahres, was es im Vorjahr zu denselben Terminen gezahlt hat. Eine vorsichtige Schätzung: Sie unterstellt keine Erhöhung.
Multiplizieren und in Euro umrechnen
Stückzahl mal Dividende je Aktie, Zahlung für Zahlung, und Zahlungen in Dollar, Pfund oder Franken zum heutigen Wechselkurs umrechnen.
Steuern abziehen
Quellensteuer bei ausländischen Aktien und, sobald der Sparer-Pauschbetrag aufgebraucht ist, die deutsche Abgeltungsteuer. So sehen Sie, was wirklich auf dem Konto ankommt.
Angekündigtes von Geschätztem trennen
Angekündigte Zahlungen sind fast sicher, Schätzungen können sich ändern. Hängt die Summe stark an einem Unternehmen, macht sich jede Kürzung bemerkbar.
Warum die Dividendenrendite allein in die Irre führt
Eine Dividende ist kein Geld aus dem Nichts. Am Tag, an dem die Aktie das Recht auf die Zahlung verliert (dem Ex-Tag), fällt ihr Kurs ungefähr um den ausgeschütteten Betrag: Das Unternehmen nimmt das Geld aus seiner Kasse und gibt es Ihnen. Ihr Vermögen wächst nicht durch die Auszahlung, sondern wenn das Unternehmen mehr verdient, als es ausschüttet.
Deshalb ist eine sehr hohe Dividendenrendite eher ein Warnsignal als ein Schnäppchen: Oft ist der Kurs gefallen, weil der Markt eine Kürzung erwartet. 6 % Dividende bei 10 % Kursverlust sind ein Minus von 4 % im Jahr.
Dividenden sind wichtig, aber nur ein Teil. Nach Bloomberg-Daten, die First Trust ausgewertet hat, machten sie zwischen 1927 und 2024 36,5 % der Gesamtrendite des S&P 500 aus; der Rest kam aus steigenden Kursen. Die Zahl, an der Sie Ihr Depot messen sollten, ist die Gesamtrendite aus Dividenden und Kurs, gemessen als TWR, damit Ihre Einzahlungen sie nicht verzerren.
Wie viel Geld brauchen Sie, um von Dividenden zu leben?
Die Rechnung ist einfach: das gewünschte Nettoeinkommen pro Jahr, auf brutto hochgerechnet, geteilt durch die Dividendenrendite. Für 2.000 € netto im Monat (24.000 € im Jahr) brauchen Sie in Deutschland rund 32.240 € brutto, weil nach dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € 26,375 % anfallen (ohne Kirchensteuer). Bei 3,5 % Dividendenrendite sind das rund 921.000 € Anlagevermögen, bei 5 % rund 645.000 €, bei 3 % knapp 1,07 Millionen.
Jetzt die Risiken. Dividenden sind nicht garantiert: 2020 hat laut dem Janus Henderson Global Dividend Index jedes achte Unternehmen seine Dividende gestrichen und jedes fünfte sie gekürzt, die weltweiten Ausschüttungen fielen um 12,2 %. Wer davon lebt, bekommt in so einem Jahr weniger Gehalt.
Außerdem frisst die Inflation ein Einkommen, das nicht wächst: Bei 2 % Inflation (dem Ziel der Europäischen Zentralbank) sind 24.000 € von heute in zehn Jahren nur noch etwa 19.700 € wert. Und wer für weniger Kapital einer höheren Rendite hinterherläuft, landet oft bei wenigen Unternehmen und Branchen, genau dort, wo eine Kürzung am meisten wehtut.
Von Dividenden zu leben braucht auch nicht weniger Geld, als nach und nach Anteile zu verkaufen: Was ein Depot hergibt, ist seine Gesamtrendite, ob sie als Dividende oder als Verkauf herauskommt. Der Unterschied liegt bei den Steuern und im Kopf. Beim Verkauf wird nur der Gewinnanteil besteuert, nicht alles, was Sie entnehmen; bei Dividenden müssen Sie nie entscheiden, wann Sie verkaufen. Vernünftig ist, mit Ihren eigenen Zahlen zu rechnen, mit Puffer, und das jedes Jahr zu überprüfen.
Häufige Fragen
Was ist der Yield on Cost?
Die Jahresdividende je Aktie geteilt durch Ihren durchschnittlichen Kaufkurs. Haben Sie zu 20 € gekauft und zahlt das Unternehmen heute 1,60 € im Jahr, liegt Ihr Yield on Cost bei 8 %, während ein Käufer zu 40 € heute 4 % bekommt.
Wie werden Dividenden in Deutschland versteuert?
Mit 25 % Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Bis zum Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Paaren) bleiben sie mit Freistellungsauftrag steuerfrei.
Wie bekomme ich ausländische Quellensteuer zurück?
Bis zum Satz des Doppelbesteuerungsabkommens, meist 15 %, wird sie auf die deutsche Steuer angerechnet. Was darüber liegt, etwa 20 der 35 % in der Schweiz, fordern Sie bei der Steuerbehörde des Quellenlands zurück.
Wie viel Geld brauche ich, um von Dividenden zu leben?
Teilen Sie das nötige Bruttoeinkommen durch die Dividendenrendite. Für 2.000 € netto im Monat bei 3,5 % Rendite in Deutschland rund 921.000 €. Rechnen Sie mit Kürzungen und Inflation.
Thesaurierender oder ausschüttender ETF: Was ist besser?
Wer die Erträge nicht braucht, fährt mit Thesaurierern oft etwas günstiger, weil über die Vorabpauschale nur ein Mindestertrag jährlich besteuert wird. Ausschütter liefern jedes Jahr Bargeld, jede Ausschüttung wird aber versteuert.